EBS: Mauscheln wie bisher

Mehr Transparenz hatte EBS-Präsident Rolf Cremer versprochen, um wieder Vertrauen in die EBS Universität für Wirtschaft und Recht zurück zu gewinnen. Schließlich waren es vor allem mangelhafte interne Kontrollen und fragwürdige personelle Verknüpfungen, die zu dem Skandal um Ex-Präsident Christopher Jahns führten. Doch von klaren Strukturen kann weiter keine Rede sein. Das zeigt der Fall Gaiziunas.

Unsere Geschäftsführerin, Frau Nicole Gaiziunas, würde gern mit Ihnen über die FAZ Business School sprechen, schrieb Ira Hölscher mit der Signatur „Personal Assistant to the Managing Director ISCM, Executive Education, EBS Universität für Wirtschaft und Recht, EBS Executive Education, Institute for Supply Chain Management – Procurement and Logistics (ISCM)“ am 9. Mai und nutzte dafür auch eine Email-Adresse der EBS. Auch auf der EBS-Website steht Gaiziunas als Leiterin der Executive Education des inzwischen in ISCM umbenannten, ehemaligen SMI-Instituts, das im Mittelpunkt der Untreuevorwürfe gegen den ehemaligen EBS-Präsidenten Christopher Jahns steht. Vor kurzem hatte die Staatsanwaltschaft Anklage wegen gewerbsmäßiger Untreue gegen Jahns eingereicht.

Nicole Gaiziunas – zumindest 2011 noch Jahns Lebensgefährtin – hatte damals eine bemerkenswerte Ämteranhäufung, bei der sie sich quasi selbst Aufträge gab. Der neue EBS-Präsident Rolf Cremer hatte daher bereits im Juni 2011 erklärt, dass Gaiziunas  nicht mehr Mitarbeiterin der EBS ist, sondern nur noch bei SMI Campus arbeitet. SMI Campus wiederum ist der exklusive Dienstleister der EBS, der die Executive-Education-Seminare für die Hochschule durchführt.

Ist Gaiziunas, die auch bei diversen Scharmützeln im EBS-Skandal eine undurchsichtige Rolle gespielt haben soll, nun also wieder an die EBS zurückgekehrt, wie das Schreiben ihrer Assistentin zeigt? Nein, schreibt ein EBS-Sprecher. „Frau Gaiziunas ist nicht mehr an der EBS oder an der EBS Executive Education angestellt; weder als Geschäftsführerin noch in anderer Position. Dies ist seit knapp einem Jahr so.“ Sie sei bei SMI Campus tätig, die als Dienstleistungspartner ein selbstständiges Unternehmen sei, an der die EBS oder Tochterunternehmen der EBS keinerlei Anteile hält.

Doch warum tritt Gaiziunas dann gegenüber Dritten explizit als Geschäftsführerin an dem EBS-Institut auf? „Frau Gaiziunas ist nicht Geschäftsführerin bei der EBS oder einer EBS-Tochter. Wer einen anderen Eindruck erweckt, handelt inkorrekt. Wir haben nach Ihrer Information umgehend darauf hingewirkt, dass sich eine solche Inkorrektheit nicht wiederholt“, antwortet ein EBS-Sprecher.

Noch am selben Tag wurde die Website geändert. Nun ist Gaiziunas zwar immer noch Leiterin der Executive Education des EBS-Instituts, aber es gibt ein Sternchen, bei dem es heißt: „Frau Gaiziunas übt diese Funktion für einen Dienstleistungspartner der EBS im Bereich Einkauf, Logistik und Supply Chain Management aus. Sie hat an der EBS keinerlei Funktionen, weder in der EBS Executive Education noch am ISCM.“ An ihrer Aufgabe und den Strukturen hat sich aber offenbar nichts geändert.

Man muss sich das wohl so vorstellen. Frau Giaziunas verhandelt als Leiterin am EBS-Institut mit Unternehmen über Weiterbildungsangebote. Ausgeführt werden die Aufträge dann von der SMI Campus GmbH, deren Geschäftsführerin sie praktischerweise auch ist. Nun ist es zwar nicht ungewöhnlich, dass sich ein Anbieter wie das EBS-Institut eines externen Dienstleisters bedient, nur verhandelt hier der Dienstleister offenbar unter dem Namen seines Auftraggebers und profitiert dabei auch noch kräftig von den Aufträgen. So sollen die Royalties – also die Abgaben, die ein Dienstleister wie SMI Campus an die EBS zahlen muss – bei maximal rund zehn Prozent liegen.

Doch damit nicht genug. Die SMI Campus GmbH wiederum ist eine Tochter der SMI Campus AG in St.Gallen, dessen Verwaltungsratspräsidentin ebenfalls Gaiziunas ist. Dort hat sie am 5.Mai 2011 die Nachfolge ihres Lebensgefährten Christopher Jahns angetreten. Zudem gibt es eine enge personelle Verknüpfung der SMI Campus AG mit Firmen der Brainnet Gruppe. Brainnet-Chef Christian Rast hatte SMI Campus sogar als Schwesterfirma von Brainnet bezeichnet. Und Brainnet, an dem auch Jahns beteiligt war, wiederum spielt eine zentrale Rolle bei der Anklage. Es geht um Rechnungen in Höhe von 180.000 Euro, die Brainnet der Hochschule für nie erbrachte Leistungen in Rechnung gestellt haben soll.

Im Grunde genommen bleibt damit vieles beim Alten. SMI Campus profitiert weiter von der Executive Education-Aufträgen, die sie für die EBS durchführt. Als Leiterin für die Executive Education am EBS-Institut fungiert Gaiziunas.

Das Gemauschel zwischen EBS, SMI Campus und Brainnet ist nicht neu. So erinnern sich manche EBS-Mitarbeiter noch ein Projekt mit dem Forschungsministerium, wo Brainnet, SMI-Campus und die EBS als separate Antragsteller aufgetreten sein sollen und die Kommunikation von SMI-Campus über Mails von der EBS gelaufen sein soll, was beim Ministerium irgendwann für Verwunderung gesorgt haben soll.

Erstaunlich ist auch, dass sich etliche große Unternehmen, die oft strenge interne Compliance-Regeln haben, offenbar nicht an dem Verwirrspiel störten und stören. Darunter sollen immerhin Firmen wie Audi, Airbus, Lanxess, Philips und Siemens gewesen sein oder noch immer sein.

In einem Interview erklärte EBS-Präsident Rolf Cremer im Juni 2011: „Das Problem war, dass Herr Jahns sowohl an der Hochschule als auch beim externen Dienstleister SMI Campus, der die Seminare durchgeführt hat, involviert war. Ob wir weiter mit SMI Campus kooperieren, hängt auch davon ab, was bei der Staatsanwaltschaft herauskommt.“

Davon ist inzwischen offenbar keine Rede mehr. Stattdessen wird weiter gemauschelt wie bisher. Glaubwürdigkeit sieht anders aus.

PS: Diesmal reagierte die EBS schnell. Kaum war die Meldung online, war Gaiziunas von der EBS-Website verschwunden. Anfang Mai sah das noch so aus: Leitung ISCM im Mai 2012

 

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