FAZ Business School: Die schwierige Suche nach der Wahrheit

Es bleibt weiter undurchsichtig, wie die Beziehungen zwischen dem wegen des Verdachts der Untreue geschassten Ex-Präsidenten der EBS, Christopher Jahns, und der FAZ waren. Während Jahns neuer Sprecher behauptet, dass Jahns im Mai 2011 einen Beratervertrag für die geplante Frankfurter Allgemeine Business School (FABS) hatte, will der Geschäftsführer der neuen Business School, Josef Krieg, davon nichts gewusst haben und verstrickt sich in Widersprüche. Und Tobias Trevisan, Sprecher der FAZ-Geschäftsführung und bis Ende 2011 Aufsichtsrat der EBS, verliert die Contenance.

Bei der Frankfurter Rundschau (FR) fand man die Exklusiv-Meldung über die FABS auf diesem Blog so interessant, dass Redakteur Volker Schmidt sie gleich abschrieb – natürlich ohne die Quelle zu nennen. Immerhin recherchierte er noch weiter und brachte einige bemerkenswerte Aussagen zutage. Danach behauptet Jahns neuer Sprecher Dirk Metz, dass Jahns sich “im Rahmen eines Beratungsauftrag für die  Business School” im Mai 2011 die passenden Domains faz-business-school reserviert hat. Ob das in der FR richtig wiedergegeben wurde, lässt sich nicht verifizieren. Denn Metz, der bis 2010 Sprecher der hessischen Landesregierung im Range des Staatssekretärs war, schweigt auf eine entsprechende Anfrage.

FABS-Geschäftsführer Krieg stellt die Sache in der FR anders dar. Danach habe er 2011 einem EBS-Mitarbeiter nebenbei von dem Projekt erzählt und der habe ihm dann angeboten, dass die EBS Executive Education hier beratend für die FAZ tätig zu werden könne. Später, so Krieg in der FR, habe die SMI Campus GmbH, die als exklusiver Dienstleister für die EBS Executive Education tätig ist, die FAZ Business School dann dabei beraten, Coaches zu finden. Dass Jahns sich im Rahmen dieser Tätigkeit die Domain-Namen gesichert habe, habe er erst jetzt erfahren.

Einen Tag zuvor klang das noch ganz anders. Da hatte Krieg angeblich keine Ahnung, warum Jahns sich die Domains gesichert hat. Er habe, nachdem die Untreue-Vorwürfe  auftauchten – das war im Januar 2011 -,  keinen persönlichen Kontakt mehr mit Jahns gehabt – obwohl dieser offenbar doch als Berater für das FAZ-Projekt tätig war.

Merkwürdig ist Kriegs Aussage vor allem deshalb, weil die FAZ laut seiner eigenen Aussage, SMI Campus bereits „vor den Wirrungen um Herrn Jahns“ einen Projektauftrag für die Erarbeitung eines Weiterbildungs-Konzeptes erteilt hatte . Bereits im Oktober 2010 habe man, so Krieg, der EBS Executive Education einen Beratungsauftrag dazu gegeben, wie eine FAZ Academy aussehen könnte. Seine Aussagen in der FR machen daher wenig Sinn.

Das Ganze ist zumindest seltsam. Als Berater reserviert man eigentlich nicht die Domains für seinen Kunden auf seinen eigenen Namen und ohne dessen Wissen. Denn eingetragen wurden die Domains nicht auf den Namen der FAZ, sondern auf Jahns persönlich. Nachvollziehbar wäre das allenfalls, wenn Jahns geplant hätte, in das neue Projekt als Gesellschafter einzusteigen.

Dazu kommt, dass der Beratungsauftrag ja offenbar nicht an Jahns, sondern an den EBS-Dienstleister SMI Campus ging. Im Mai 2011, als Jahns die Domains für die FAZ Business School kaufte, war er aber längst von der EBS gefeuert. Bereits Anfang April war Haftbefehl gegen ihn erlassen worden  - der allerdings außer Vollzug gesetzt wurde und vor kurzem aufgehoben wurde. Kurz darauf wurde er vom Aufsichtsrat der EBS , in dem auch FAZ-Geschäftsführer Tobias Trevisan saß, entlassen.

Hatte Jahns daher einen neuen und persönlichen Beratervertrag mit der FAZ? Oder hat er auch nach seinem Rausschmiss bei der EBS weiter für SMI Campus und damit eigentlich für die EBS Executive Education an dem FAZ-Projekt gearbeitet? Eigentlich eine einfach zu beantwortende Frage, die Trevisan allerdings in Rage bringt. Dabei steht der Sprecher der FAZ-Geschäftsführung offenbar so unter Druck, dass er in einem E-Mail-Wechsel regelrecht ausfallend und beleidigend wird. „Ihre Fragen sind bereits beantwortet. Es gibt weder andere Verträge, als die, die wir genannt haben“, antwortet er äußerst gereizt und statt eine klare Antwort zu geben, verbittet er sich „jegliche weitere Kommunikation“.

Aber zumindest zwischen Trevisan und Jahns scheint die Welt noch in Ordnung zu sein und die FAZ nützt nun die Domain business-school-faz. Jahns stelle der FAZ „die anderen Domains selbstverständlich unentgeltlich zur Verfügung“, schreibt Trevisan und wiegelt ab: „Bei der Domain business-school-faz.de handelt es sich um die von der Verantwortlichen aus CI-Überlegungen für die Projektierungsphase gewählte Variante und nicht um eine Notlösung.“ Seltsam, eigentlich würde man doch meinen, dass FAZ am Anfang der Adresse stehen müsste, wenn die Corporate Identity der FAZ gewahrt werden solle.

Trevisan kann daher nichts Verwerfliches an Jahns Aktivitäten finden: „Jedenfalls beweist die unproblematische Bereitschaft von Herrn Jahns, die Domains an uns zu übertragen, dass er in dieser Angelegenheit ausschließlich in unserem Sinne gehandelt hat.“ Jahns, der noch immer seine Unschuld beteuert, ist derweil auf Jobsuche und wolle sich beruflich neu aufstellen, so sein Sprecher.

Dieser Beitrag wurde unter News, Ticker abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.